Europäisches Austauschprojekt mit Finnland und der Türkei

Tag 1: „the arrival“

Nach einer sehr kurzen Nacht hieß es für mich um 6 Uhr aufstehen, obwohl es Sonntag war. Wie jeden anderen Tag machte ich mich auch heute fertig, nur dass ich einige Dinge mehr einpackte, meine Mutter anstatt meines Bruders und einen Koffer anstatt meines Rucksacks mitnahm.

AnD1_1Wir trafen uns um 8 Uhr, samt Gepäck, an der Schule. Von dort aus fuhren wir mit zwei Kleinbussen zum Hamburger Flughafen, ein riesiger Komplex, dessen Eingangstür mich nur an das heimische Krankenhaus erinnerte. Kaum durch dieses Tor gegangen, stand man in einer eigenen kleinen Welt. Eine Welt mit eigenen Läden, Restaurants und vielem mehr! Am Schalter gaben wir unsere Koffer auf und bekamen, jeder zwei, Tickets. Mein Koffer wog 10,3 kg, was mich doch überraschte, da ich ihn als sehr leicht empfand. Nach diversen Kontrollen, auch die allseits bekannten Metalldetektoren und Röntgenkameras, kamen wir dann auch an unserem Terminal an. Allerdings hatte unser Flieger 30 Minuten Verspätung, was zugleich hieß, noch länger warten als sowieso schon. Dann war es nur ein kleiner Schritt. Ich hatte einen Platz am Fenster, direkt vor einem der Ausgänge, was absolute Beinfreiheit bedeutete. Und dann ging es los, mein erster Flug.

AnD1_2Die Rampe fuhr beiseite und unser Flieger los. Erst war es wie Bus- und dann wie Achterbahnfahren, bis er begann abzuheben. Man liegt dann ähnlich im Sitz, wie wenn man mit dem Auto einen steilen Berg hochfährt. Es entstand dann teilweise eine tierischer Lärm, den man allerdings aufgrund der Druckschwankungen kaum hören konnte. Kaugummi hilft meiner Meinung nach nicht. Währenddessen tropfte es von der Decke. Das war das erste Mal, dass ich mir Gedanken machte. Ich bekam das alles auf meine Hose, auf der später ein riesiger Fleck war, Henrik bekam das alles immer ins Gesicht. Während des Flugs wurde für Unterhaltung und Verpflegung gesorgt. So konnten wir fast den ganzen Flug über einen Bordfilm gucken, jedoch gab es den nur auf türkisch oder englisch, was zu einer lustigen Situation führte. Mitten im Film schaltete Jan Christophs Sprache auf türkisch um, was dieser gar nicht bemerkte. Er guckte den Film ganz normal weiter, die Fünf in Englisch ist wohl wirklich berechtigt.

Das Mittagessen konnte man aus verschiedenen Gerichten wählen. Ich entschied mich für „Chicken“ mit Spätzle und Spinat. Interessant war wie alles klein und einzeln abgepackt war. So gab es zum Beispiel ein kleines Schälchen mit Salat und Kuchen dazu. Ebenfalls auf dem Tablett befand sich eingeschweißter Käse und ein Miniaturpäckchen Butter, was ich sehr merkwürdig fand. Ich weiß immer noch nicht, wieso. Zu trinken bekam ich auf diesem Flug nichts, nachdem die Stewardess meinte, dass sie kein Wasser habe.

Auch die Wolken mal von oben zu sehen, war wieder was Neues für mich. Manchmal ähnelten sie Schneebergen oder waren fade Streifen. Man dachte teilweise auch, ganz woanders zu sein. Aber am meisten dachte ich an weggespülten Rasierschaum.

Auch die Landung war ein Highlight! Vor allem das erste Aufsetzen, der erste Kontakt mit dem Boden seit Stunden, gefiel mir sehr. War echt lustig. Nach einigem Rütteln kamen wir dann auch recht bald zum Stillstand.

In Istanbul hieß es dann schnell durch den Flughafen flitzen und den zweiten Flieger bekommen. Deswegen bekam auch jeder von uns zu Anfang schon zwei Tickets. Wir wurden dann vom Terminal, per Bus, zum Flieger gefahren. Auch dort gab es wieder was zu essen, und etwas, was ich zuvor niemals sah, abgepacktes Wasser. 110 ml in einem kleinen, durchsichtigen Kunststoffbehältnis. Allzu lange dauerte der Flug von Instanbul nach Ankara dann leider nicht. Auch das Landen war um einiges unspektakulärer als beim ersten Mal. Am Flughafen wurden wir auch schon erwartet, aber eh es in den Bus ging, tauschten wir noch Geld um. Und dann begann die eigentlich spannendste Fahrt bisher.

Samt Koffern zwängten wir uns zu vierzehnt in einen Kleinbus, etwa wie ein Sprinter. Völlig überfüllt und alle unangeschnallt, rasten wir, kreuz und quer, zur Schule, wo unsere Familien bereits auf uns warteten. Wobei der Fahrstil in der Türkei sowieso etwas anders ist. Man kann seine Fahrspur frei wählen. Der Blinker ist nur im Notfall, wenn sich noch irgendwo reinzwängen will, zu verwenden. Warnblinker symbolisieren einen baldigen Halt mitten auf der Straße, oder dient als Partybeleuchtung. Hupen ist ein allgemeines Hilfsmittel, genau wie das Aufblenden. Wobei innerorts auch gerne mal mit Fernlicht gefahren wird.

Nachdem wir ankamen, wurde mir erst mal das Haus, das noch völlig im Aufbau steckte, gezeigt. Danach spielte ich noch kurz mit Murat Playstation, eh ich mich in mein riesiges Bett verzog. Überall waren Bewegungsmelder, die fast überall das Licht einschalteten (oder die Alarmanlage). Der Lichtschalter meines Zimmers war dummerweise außerhalb dessen.

Tag 2: „first day“

In Ankara musste ich erst eine Stunde später aufstehen als zu Hause, was allerdings aufgrund der Zeitverschiebung keinen Unterschied machte. Kurz nach acht ging es dann los zur Schule. Murat zeigte mir noch die Schule, eh der Rest eintraf und ich dann auch zum ersten Mal den Finninnen begegnete. Kurz darauf begann die Begrüßungszeremonie bei der zu erst viel gesungen und dann auch getanzt wurde. Danach stellte jedes Land typische Feste oder Bräuche vor. Anschließend teilte man uns in vier gemischte Gruppen auf, damit jede eine Collage anfertigen konnte. Es schneite etwas.

AnD2_1Gar nicht allzu hungrig hieß es dann währenddessen Mittagessen. Also ab in die Kantine, wo es neben eines Brötchens Suppe, Bohnen und Reis gab. Und zusätzlich auch Salat, den man sich selbst hätte zusammenstellen können. Nach Fertigstellung der Collagen fuhren wir mit dem Bus in ein Technikmuseum. Dort gab es neben alten Dingen, alten Autos und alten Flugzeugen, auch viele lustige Experimente zum Ausprobieren.

Wieder zurück in der Schule teilten wir uns wieder auf unsere Gastfamilien auf. Wir fuhren dann zu Jans Familie, die mit meiner befreundet war. Dort gab es erst einmal Kuchen, eh wir dann alle zusammen in ein riesiges Einkaufszentrum fuhren, wo jede Marke ihren eigenen Laden hatte; egal ob Nokia, Puma, Nike, LG oder Adidas. Und auch sämtliche Fastfoodketten dieser Welt waren in ihm vertreten. Danach trafen wir Hakan, meinen Gastvater, in einem Restaurant wieder. Das war schon ganz cool. Wir fuhren vor, stiegen aus und ließen den Wagen vom Personal einparken. Lustig war auch, dass Henrik zur selben Zeit wie wir in diesem Restaurant saß und aß.

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Wasser und Essen hätte man sich theoretisch gar nicht bestellen müssen, da es das alles umsonst gab. So quasi als Vorspeise. Anschließend aß ich mein Sandwich mit Salat und Pommes. Die Männer wollten dann in einen Pub. Wir einigten uns dann allerdings darauf, das Biertrinken doch ins Haus von Jans Familie zu verlegen. Dort wurde dann auch ein kleines Playstation-2-Pro-Evolution-Soccer-Turnier veranstaltet, bei dem Jan immer wieder in den sauren Apfel biss. Zuerst verlor er gegen seinen sechsjährigen Gastbruder, dann zweimal gegen meinen. Danach ging es nach Hause und ins Bett.

Tag 3: „half-time“

Ich war wieder mal der Erste, der wach war und gleich duschen ging. Ich merkte dann nach einiger Zeit, dass das Wasser nicht warm wurde. Also sah ich zu, dass ich da schnell wieder raus kam, denn wach war ich nun wirklich. Später stellte sich raus, dass das Gerät, das das Wasser erhitzt und mich nachts wach hielt, einen Fehler hatte und ausfiel. Nach dem Frühstück ging es wieder zur Schule. Der Weg zur Straße war wieder so matschig, dass sich genug Matsch an den Reifen sammelte, dass wir auf der Straße rutschten und sogar eine 180° Wendung hinlegten.

AnD3Ich traf mich an der Schule mit dem Rest meiner Klasse und den Finninnen. Gemeinsam fuhren wir zum Präsidenten der Schulstiftung. Anschließend ging es dann zu einem Recycling Hof, der u. a. auch Tomaten anbaute. Wieder zurück in der Schule gab es erstmal Essen. Diesmal Suppe, Nudeln und eine Mischung aus (eventuell) Kartoffel- und Hähnchenstücken. Dazu wie immer Wasser. Anschließende trennten wir uns von den Finninnen, die dann am Kunstunterricht teilnahmen. Wir fuhren zu einer türkischen Berufsschule. Allerdings kam mir diese eher wie ein Gefängnis vor. Vergitterte Fenster, Kameras und Gitter zum Treppenhaus. Und wieder zurück zu unserer Schule.

Während der Busfahrt sah man viel liegenden Schnee, nicht nur auf den Bergen. Nachdem ich Murat und seine Mutter in der Schule gefunden hatte, fuhren wir erst mal zur Bank. Das System ist auch ein etwas anderes als in Deutschland. So muss man da eine Nummer ziehen. Kreditkartenbesitzer werden bevorzugt behandelt.

Später war der Tank so leer, dass die Anzeige bereits blinkte, so dass ich meine ersten Erfahrungen mit einer türkischen Tankstelle sammeln konnte. Man wird dort noch von Tankwarten begrüßt und bedient, die einem sogar die Scheibe wischen. Außerdem machte er uns darauf aufmerksam, dass die Reifen hinten zu wenig Luft hatten. Zu Hause machten ich erst mal meine Hausaufgaben. Dann sah ich mit Murat noch etwas History Channel bis wir zusammen mit Hakan Pizza aßen. Danach verzog ich mich in mein Zimmer und hörte Musik bis ich schließlich einschlief.

Tag 4: „the end is near“

AnD4_1Der Mittwoch begann dann etwas anders. Ich wachte auf und als ich mein Handy nahm, begann es gerade mit der Weckfunktion. Und anstatt, wie am Vortag, mit einer kalten Dusche, gab es eine (fast schon zu) heiße Dusche. Auch das Frühstück war besonders. Denn es gab nicht wie sonst Toast mit Hähnchenbrustwurst, sondern Toast mit gebratener und scharfgewürzter Hähnchenbrustwurst. Nachdem wir uns alle in der Schule sammelten, fuhren wir zu einem Energiepark. Dort wurde uns erklärt, wie in Ankara Strom erzeugt wird. Und oh Wunder, es ist nicht anders als bei uns.

Auf dem Weg ins Museum hielten wir bei einem Trödelladen an. Eigentlich war es kein Trödelladen, denn dafür waren die Preise doch etwas zu hoch. Nach dem Museumsaufenthalt, der eher langweilig war, gingen wir noch etwas durch die Stadt. Anschließend gab es Mittag: Undefinierbare Fleischklopse mit Kartoffelmatsch. Die Bohnen, die es zusätzlich gab, konnte man erst gar nicht als solche erkennen, weswegen ich keine nahm. Einer der Deutschlehrer setzte ein paar seiner Schülerinnen an unseren Tisch, danach waren wir die Attraktion schlecht hin. Auch als ich kurz draußen war, weil ich eigentlich ein paar Fotos machen wollte, standen am jedem Fenster schreiende und winkende Türken. Danach suchte ich nach den anderen, die immer noch unten beim Essen saßen, sogar mit noch mehr Türkinnen.

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Auf dem türkischen Basar, wo es danach hinging, hielten wir es nicht lange aus. Wir fuhren zu einigen Geschäften weiter, was ich nutze, um mit einer der Finnen ins Gespräch zu kommen. Woraufhin sie wohl von den anderen Finnen etwas geärgert wurde. Danach versammelten wir uns vor dem Schulgebäude für ein Gruppenfoto, eh es in die Bibliothek ging, wo wir unsere Teilnehmer-Urkunden erhielten. Und leider auch verabschiedet wurden.

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Nach der Schule wartete Jans Gastmutter auf meine und wir fuhren nach einem langen Gespräch, einer Diskussion, gemeinsam in die nächste Mall und aßen was gemeinsam. Da Jans Mutter ihre Kinder noch vom Schwimmen abholen musste, nutzten wir das, um in einem Supermarkt mehr Käse aufzutreiben, da die Lehrer und Jan mit seiner Gastmutter später zu Besuch waren. Ich nutze die Zeit, um die verlorene Energie wieder aufzufüllen, und wurde geweckt, als Frau Patzer und Herr Krahmer (Das waren die beiden Lehrer, die mit uns auf dieser Reise waren.) durch das Haus geführt wurden.

Abends gab es Käse und Wein. Nachdem Hakan wieder vom Zurückbringen der Lehrer heimkam, verabschiedete ich mich von ihm, da dieser – am nächsten Tag – sehr früh für eine Geschäftsreise aufstehen musste. Leider konnte er kein Wort Englisch, doch das war hier sowieso das geringste Problem. Man verstand sich auch so.

Tag 5: „game over“

Nach einem langen Abend, somit einer kurzen Nacht, war es soweit. Nur noch die Abreise stand auf unserem Programmplan. Ein letztes Mal ging ich duschen, eh ich meine Sachen im Koffer verstaute. Als ich das Bad betrat war ich sehr verwundert, weil es komplett unter Wasser stand. Ein letztes Frühstück, ein Sandwich für den Weg und auf machten wir uns. Zur Schule. Ein letztes Mal. Wie so oft warteten wir wieder auf Paddy, der es auch in der Türkei schaffte, zu spät zukommen. Bevor ich in den Bus stieg, hieß es Abschied nehmen. Ich dachte dummerweise, dass die Finnen mit uns zum Flughafen fahren würden, deswegen sagte ich ihnen nicht richtig tschüß, dem war dann leider nicht so.

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Am Flughafen angekommen hieß es dann wieder Koffer aufgeben und durch die Kontrollen, wo ich diesmal sogar die Schuhe ausziehen musste, in Istanbul ebenso. Vorher tauschte ich jedoch meine Lira zurück. Von dem Rest Geld kaufte ich mir am Automaten eine Dose Cola für 5,50 TL (etwa 2,50 €).

AnD5_2Aufm Flug von Istanbul nach Hamburg lief der neuste Bond. Der Film auf der Anreise gefiel mir besser. Es gab gegrillte Hähnchenbrust mit Kartoffelpüree und verbratenem Gemüse. Auf dem Rückflug hatten Henrik und ich auf jeden Fall mehr Spaß als auf dem Hinflug. So versuchten wir zum Beispiel uns zu dritt mit einem Gurt anzuschnellen, was uns jedoch nicht gelang, so beließen wir es nur bei zweien.

In Hamburg angekommen mussten wir beinahe eine halbe Stunde vor dem Laufband auf unsere Koffer warten. Danach ging es wieder in die Kleinbusse, die uns auch zum Flughafen brachten. An der Schule angekommen, begannen wir wieder getrennte Wege zu gehen. Nun war jeder wieder auf sich allein gestellt. Bis zum nächsten Morgen.